Notfallverfahren - Betriebsabläufe
Notfall- und Ausfallprozeduren für kritische Situationen bei Georg Fischer
Notfallverfahren Übersicht
Notfall-Hotline: +41 81 770 9999
24/7 erreichbar für kritische WMS-Störungen
Notfall-Kategorien
Systemausfall
Kritikalität: Sehr hoch
Reaktionszeit: Sofort
- WMS-Server nicht erreichbar
- Datenbank-Probleme
- Netzwerk-Ausfall
- Software-Fehler
Stromausfall
Kritikalität: Hoch
Reaktionszeit: 5 Minuten
- Vollständiger Stromausfall
- Teilausfall in Bereichen
- USV-Probleme
- Förderanlagen-Stillstand
Kommunikationsausfall
Kritikalität: Mittel
Reaktionszeit: 15 Minuten
- Internet-Verbindung unterbrochen
- SAP-Verbindung gestört
- Funk-Terminals ausgefallen
- Telefon-System defekt
Hardware-Ausfall
Kritikalität: Niedrig-Mittel
Reaktionszeit: 30 Minuten
- Einzelne PC-Arbeitsplätze
- Drucker-Ausfälle
- Scanner-Probleme
- Waagen defekt
Notfall-Reaktionsmatrix
| Störungstyp | Sofortmaßnahme | Verantwortlich | Eskalation nach |
|---|---|---|---|
| WMS-Totalausfall | Papier-Notverfahren aktivieren | Schichtführer | Sofort |
| Stromausfall | Sicherheit prüfen, USV aktivieren | Technischer Dienst | 5 Minuten |
| SAP-Verbindung | Lokale WMS-Funktionen nutzen | IT-Support | 15 Minuten |
| Förderanlage | Manueller Betrieb | Lagerleiter | 10 Minuten |
Notfall-Kontakte
Primäre Kontakte
- WMS-Hotline: +41 81 770 9999
- IT-Support: +41 81 770 1234
- Lagerleitung: +41 79 123 4567
- Technischer Dienst: +41 79 234 5678
Eskalation
- Werksleitung: +41 79 345 6789
- IT-Leitung: +41 79 456 7890
- Jungheinrich Support: +49 40 6948 0
- Externe Wartung: +41 44 567 8901
WMS-Systemausfall
Sofortmaßnahmen bei WMS-Ausfall
Phase 1: Erste 5 Minuten
Alle Lagerbewegungen stoppen
Sofortige Unterbrechung aller automatischen Prozesse
- □ Förderanlagen anhalten
- □ Automatisches Lager stoppen
- □ Mitarbeiter informieren
- □ Sicherheit prüfen
Notfall-Hotline verständigen
Sofortige Meldung an WMS-Support
- □ Hotline: +41 81 770 9999 anrufen
- □ Fehlerbeschreibung bereithalten
- □ Zeitpunkt des Ausfalls dokumentieren
- □ Betroffene Bereiche spezifizieren
Phase 2: Erste 15 Minuten
Papier-Notverfahren aktivieren
Umstellung auf manuelle Dokumentation
- □ Notfall-Formulare bereitstellen
- □ Letzte bekannte Bestände ermitteln
- □ Prioritäre Aufträge identifizieren
- □ Manuelle Arbeitsverteilung
Krisenstab aktivieren
Notfall-Team zusammenrufen
- □ Lagerleiter verständigen
- □ IT-Verantwortlichen kontaktieren
- □ Schichtführer instruieren
- □ Kommunikationsplan aktivieren
Manuelle Notverfahren
Wareneingang
Manuelle WE-Abwicklung:
- Anlieferung dokumentieren
- Lieferschein-Nummer notieren
- Lieferant erfassen
- Uhrzeit dokumentieren
- Artikel prüfen
- Mengen kontrollieren
- Artikel-Nummern abgleichen
- Qualität bewerten
- Einlagerung vorbereiten
- Lagerplätze manuell zuweisen
- Prioritäten festlegen
- Transport organisieren
Kommissionierung
Manuelle Pickprozesse:
- Aufträge priorisieren
- Eilaufträge zuerst
- Vollständig verfügbare Aufträge
- Kurze Laufwege bevorzugen
- Pick-Listen erstellen
- Letzte bekannte Lagerplätze
- Artikel-Beschreibungen
- Benötigte Mengen
- Manuelle Kommissionierung
- Systematisches Abarbeiten
- Doppelte Mengenkontrolle
- Dokumentation aller Entnahmen
Warenausgang
Manuelle WA-Abwicklung:
- Sendungen vorbereiten
- Kommissionierte Artikel sammeln
- Vollständigkeit prüfen
- Verpackung vorbereiten
- Dokumentation erstellen
- Manuelle Lieferscheine
- Versand-Etiketten vorbereiten
- Gewichte ermitteln
- Verladung organisieren
- Spediteure kontaktieren
- Verladung koordinieren
- Abgänge dokumentieren
Datenrekonstruktion
Datensicherung und Wiederherstellung
1. Backup-Status prüfen
- Letztes automatisches Backup ermitteln
- Datenverlust-Zeitraum bestimmen
- Kritische Daten identifizieren
- Wiederherstellbarkeit bewerten
2. Manuelle Daten sammeln
- Alle Papier-Belege sammeln
- Zeitzeugen befragen
- Bestandsänderungen rekonstruieren
- Bewegungen chronologisch ordnen
3. System-Wiederherstellung
- Backup einspielen
- Daten-Konsistenz prüfen
- Manuelle Korrekturen eingeben
- Vollständige Inventur erwägen
Stromausfall-Verfahren
Stromausfall-Reaktion
Sofortmaßnahmen (0-5 Minuten)
Sicherheit gewährleisten
- □ Alle Bewegungen sofort stoppen
- □ Förderanlagen sichern
- □ Notbeleuchtung aktivieren
- □ Fluchtwege prüfen
- □ Personen evakuieren falls nötig
USV-Systeme prüfen
- □ WMS-Server USV-Status
- □ Netzwerk-Komponenten prüfen
- □ Verbleibende Laufzeit ermitteln
- □ Herunterfahren-Prozess vorbereiten
Kurzzeitreaktion (5-30 Minuten)
Systeme kontrolliert herunterfahren
- □ WMS-Datenbank sicher schließen
- □ Offene Transaktionen speichern
- □ Arbeitsplätze herunterfahren
- □ Server ordnungsgemäß beenden
Bestandsaufnahme
- □ Laufende Prozesse dokumentieren
- □ Kritische Aufträge identifizieren
- □ Materialien sichern
- □ Arbeitsplätze absichern
Langzeitmaßnahmen (30+ Minuten)
Notstromerversorgung
- □ Notstromaggregat starten
- □ Prioritäre Systeme wieder hochfahren
- □ Minimalbetrieb etablieren
- □ Kraftstoffvorrat prüfen
Alternative Arbeitsverfahren
- □ Manuelle Prozesse aktivieren
- □ Batteriebasierte Geräte nutzen
- □ Externe Hilfsmittel organisieren
- □ Personalumverteilung
USV-Management
Kritische Systeme mit USV-Schutz
WMS-Server
Kapazität: 60 Minuten
Priorität: Höchste
Maßnahmen:
- Automatisches Herunterfahren nach 45 Min.
- Datenbank-Backup vor Shutdown
- Alle Transaktionen sichern
Netzwerk-Infrastruktur
Kapazität: 45 Minuten
Priorität: Hoch
Maßnahmen:
- Switches und Router schützen
- WLAN für Funk-Terminals
- Externe Verbindungen halten
Steuerungscomputer
Kapazität: 30 Minuten
Priorität: Mittel
Maßnahmen:
- Förderanlagen-Steuerung
- Automatisches Lager
- Sicherheitssysteme
Notstromversorgung
Notstromaggregat-Betrieb
Vorbereitung
- Kraftstoffstand prüfen (mind. 8 Stunden)
- Sicherheitsabstände einhalten
- Alle nicht-kritischen Verbraucher trennen
- Umschaltung vorbereiten
Start-Sequenz
- Manuellen Start durchführen
- Frequenz und Spannung stabilisieren
- Umschaltung auf Notstrom
- Systeme prioritätsbasiert hochfahren
Betrieb überwachen
- Kraftstoffverbrauch überwachen
- Temperatur und Ölstand prüfen
- Lastverteilung optimieren
- Nachbetankung organisieren
Kommunikations-Notverfahren
Redundante Kommunikationswege
Primäre Systeme
Internet/WAN
- Hauptverbindung für SAP-Kommunikation
- E-Mail und externe Services
- Backup: LTE-Router verfügbar
- Umschaltzeit: 2-5 Minuten
Intranet/LAN
- Interne WMS-Kommunikation
- Arbeitsplatz-Vernetzung
- Backup: WLAN-Redundanz
- Ausfallsicherheit: 99.5%
Backup-Systeme
Mobile Daten (LTE)
- Automatische Umschaltung bei Ausfall
- Mobile Hotspots für kritische Arbeitsplätze
- Bandbreite: 50 Mbit/s
- Priorität: WMS-Kommunikation
Satelliten-Kommunikation
- Notfall-Verbindung bei Totalausfall
- Sehr begrenzte Bandbreite
- Nur für kritische Meldungen
- Aufbauzeit: 10-15 Minuten
Notfall-Kommunikation
Analoges Telefon
- Unabhängig von IP-Telefonie
- Direkte Leitungen zu kritischen Kontakten
- Batteriegepuffert für 4 Stunden
- Immer verfügbar
Funk-Kommunikation
- Walkie-Talkies für interne Kommunikation
- Reichweite: gesamtes Werksgelände
- Batteriebetrieb: 8-12 Stunden
- Kanäle für verschiedene Bereiche
Kommunikations-Protokolle
Eskalations-Matrix
| Störungsgrad | Sofort informieren | Binnen 15 Min. | Binnen 1 Stunde |
|---|---|---|---|
| Kritisch |
• Lagerleiter • IT-Support • Schichtführer |
• Werksleiter • IT-Leitung • Externe Partner |
• Geschäftsführung • Kunden • Behörden |
| Hoch |
• Schichtführer • IT-Support |
• Lagerleiter • Betroffene Bereiche |
• Management • Externe Dienstleister |
| Mittel | • Direkte Vorgesetzte |
• IT-Support • Lagerleiter |
• Bei Nichthähung: Höhere Eskalation |
Externe Kommunikation
Kunden-Kommunikation
Bei Lieferverzögerungen:
- Kunden binnen 2 Stunden informieren
- Realistische Zeitschätzung geben
- Alternative Lösungen anbieten
- Regelmäßige Updates alle 4 Stunden
Kommunikationskanäle:
- E-Mail (primär)
- Telefon bei kritischen Kunden
- Customer Portal Updates
- SMS bei Express-Aufträgen
Lieferanten-Koordination
Anlieferungen koordinieren:
- Geplante Anlieferungen verschieben
- Eillieferungen priorisieren
- Umleitung zu alternativen Annahmestellen
- Warteschlangen-Management
Kommunikation:
- Direkte Spediteur-Hotlines
- EDI-Nachrichten wenn möglich
- Mobile Kommunikation vor Ort
- Alternative Ansprechpartner
Eskalations-Management
Eskalations-Stufen
Stufe 4 - Management
Binnen 1 StundeVerantwortlich: Geschäftsführung, Werksleiter
Kriterien: Produktionsstillstand > 4h, Kundenschäden > 100k €
Maßnahmen:
- Externe Spezialisten beauftragen
- Notfall-Budget freigeben
- Krisenkommunikation aktivieren
- Rechtliche Bewertung einleiten
Stufe 3 - Bereichsleitung
Binnen 30 MinutenVerantwortlich: IT-Leitung, Produktionsleitung
Kriterien: Systemausfall > 2h, mehrere Bereiche betroffen
Maßnahmen:
- Krisenstab einberufen
- Externe Hilfe organisieren
- Alternative Verfahren aktivieren
- Ressourcen umverteilen
Stufe 2 - Operative Leitung
Binnen 15 MinutenVerantwortlich: Lagerleiter, IT-Support
Kriterien: Systemausfall > 30min, Betriebsbehinderung
Maßnahmen:
- Notverfahren aktivieren
- Personal umverteilen
- Prioritäten neu setzen
- Zeitplan anpassen
Stufe 1 - Schichtebene
SofortVerantwortlich: Schichtführer, Team-Leiter
Kriterien: Jede Betriebsstörung
Maßnahmen:
- Problem analysieren
- Sofortmaßnahmen einleiten
- Team informieren
- Dokumentation beginnen
Entscheidungsmatrix
Eskalations-Entscheidung
Störung erkannt
Sofortige Bewertung
Betriebsausfall > 30 min?
→ Stufe 2 aktivieren
→ Stufe 1 beibehalten
Keine Besserung nach 1h?
→ Stufe 3 aktivieren
→ Aktuelle Stufe halten
Externe Hilfe erforderlich?
→ Stufe 4 aktivieren
→ Interne Lösung fortsetzen
Eskalations-Dokumentation
Pflichtangaben bei Eskalation
Störungs-Information
- □ Zeitpunkt des Ausfalls
- □ Betroffene Systeme/Bereiche
- □ Fehlerbeschreibung
- □ Erste Diagnose
- □ Auswirkungen auf Betrieb
Maßnahmen
- □ Bereits eingeleitete Schritte
- □ Notverfahren aktiviert
- □ Personal-Umverteilung
- □ Externe Kontakte informiert
- □ Zeitschätzung für Lösung
Auswirkungen
- □ Betroffene Aufträge
- □ Verzögerungen abschätzen
- □ Finanzielle Auswirkungen
- □ Kunden-Betroffenheit
- □ Reputations-Risiko
System-Wiederanlauf
Restart-Prozeduren
Phase 1: System-Vorbereitung
Sicherheits-Check
- □ Alle Gefahrenquellen beseitigen
- □ Stromversorgung stabilisiert
- □ Netzwerk-Infrastruktur geprüft
- □ Hardware-Status kontrolliert
- □ Personal informiert und bereit
Daten-Integrität
- □ Backup-Status überprüfen
- □ Datenbank-Konsistenz testen
- □ Transaktions-Logs analysieren
- □ Datenverlust bewerten
- □ Recovery-Strategie festlegen
Phase 2: System-Start
Startup-Reihenfolge
Infrastruktur
Netzwerk, Switches, Server-Hardware
Datenbank
WMS-Datenbank starten und prüfen
WMS-Services
Kernmodule und Services aktivieren
SAP-Verbindung
EDI und Interface-Services
Arbeitsplätze
Client-PCs und Terminals
Automatik
Förderanlagen und Lager-Automatik
Phase 3: Funktions-Tests
Kritische Tests
System-Tests
- □ Datenbank-Abfragen funktionsfähig
- □ Benutzer-Anmeldung möglich
- □ Menü-Navigation vollständig
- □ Berichte generierbar
Prozess-Tests
- □ Test-Wareneingang durchführen
- □ Test-Kommissionierung abwickeln
- □ Bestands-Abfrage funktional
- □ Druckfunktionen testen
Interface-Tests
- □ SAP-Verbindung stabil
- □ EDI-Nachrichten fließen
- □ Automatiklager erreichbar
- □ Waagen und Scanner aktiv
Daten-Abgleich
Bestands-Rekonstruktion
1. Basis-Daten wiederherstellen
Vorgehen:
- Letztes vollständiges Backup einspielen
- Datenbank-Konsistenz prüfen
- Referenz-Zeitpunkt festlegen
- Basis-Bestände validieren
Kontrollen:
- Artikel-Stammdaten vollständig
- Lagerplatz-Struktur intakt
- Benutzer-Konfiguration korrekt
- System-Parameter richtig
2. Bewegungen nachvollziehen
Datenquellen:
- Papier-Belege aus Notverfahren
- SAP-Bewegungsdaten
- Automatiklager-Logs
- Mitarbeiter-Berichte
Rekonstruktion:
- Chronologische Aufarbeitung
- Eingänge und Ausgänge buchen
- Umlagerungen nachvollziehen
- Korrekturen dokumentieren
3. Bestände verifizieren
Kontroll-Inventur:
- Stichproben in kritischen Bereichen
- Hochfrequente Artikel prüfen
- Wertmäßig wichtige Positionen
- Problematische Lagerplätze
Abweichungs-Behandlung:
- Toleranzen definieren (±2%)
- Große Abweichungen untersuchen
- Korrekturen nur nach Freigabe
- Dokumentation aller Änderungen
Schrittweise Wiederaufnahme
Stufe 1: Test-Betrieb
Dauer: 2-4 Stunden
Umfang: Begrenzt auf kritische Funktionen
Aktivitäten:
- Nur eilige Aufträge bearbeiten
- Ein Arbeitsplatz pro Bereich
- Intensive Überwachung
- Sofortiges Feedback sammeln
Go/No-Go Kriterien:
- Keine System-Fehler in 2h
- Daten-Konsistenz bestätigt
- Performance akzeptabel
Stufe 2: Teilbetrieb
Dauer: 4-8 Stunden
Umfang: 50% der normalen Kapazität
Aktivitäten:
- Alle Kernprozesse aktiv
- Reduzierte Arbeitsplatz-Anzahl
- Verstärkte Qualitätskontrolle
- Auftragsrückstau abarbeiten
Überwachung:
- Permanente System-Beobachtung
- Stündliche Status-Reports
- Sofortige Fehler-Eskalation
Stufe 3: Vollbetrieb
Dauer: Ab 8 Stunden
Umfang: 100% normale Kapazität
Aktivitäten:
- Alle Arbeitsplätze aktiv
- Normaler Schichtbetrieb
- Alle Automatik-Funktionen
- Rückstau vollständig aufholen
Nachbetreuung:
- 48h verstärkte Überwachung
- Tägliche Performance-Reviews
- Wöchentlicher Stabilitäts-Bericht
Nachbearbeitung und Verbesserung
Post-Incident Review
1. Incident-Analyse
- Ursachen-Analyse durchführen
- Timeline rekonstruieren
- Beinahe-Faktoren identifizieren
- System-Schwachstellen aufzeigen
2. Response-Bewertung
- Reaktionszeiten analysieren
- Kommunikation bewerten
- Notverfahren-Effektivität prüfen
- Team-Performance beurteilen
3. Verbesserungsmaßnahmen
- Präventive Maßnahmen definieren
- Prozess-Optimierungen ableiten
- Schulungsbedarf identifizieren
- Technology-Updates planen
4. Dokumentation
- Vollständiger Incident-Report
- Lessons-Learned dokumentieren
- Verfahren aktualisieren
- Schulungsunterlagen anpassen